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Zusammenfassung Ausgangslage und Forschungsbedarf Fisch
Anglern
kommt bei der Bewirtschaftung der Fischbestände in Deutschland eine
meist unterschätzte, jedoch zentrale Rolle zu. Sie bilden mit
Fischbeständen und Gewässern über die Beangelung und die
Bewirtschaftung enge Verbindungen, die man wissenschaftlich als direkte
Mensch-Umwelt-Beziehungen oder Sozial-Ökologische-Systeme bezeichnet.
Angler sind über ihre Vereine oder Verbände nicht nur zur Nutzung von
Süßwasserfischbeständen berechtigt, sondern als Eigentümer oder Pächter
von Fischereirechten auch zu deren Hege und Pflege verpflichtet.
Wieviele Menschen sich mit dieser Form von Freizeitvergnügen,
Selbstversorgung und Naturpflege verbunden fühlen, drückt sich
beispielsweise im volkswirtschaftlichen Umsatz der Angelfischerei aus.
Dieser beträgt in Deutschland etwa 5,2 Mrd. € jährlich. Dem gegenüber
stehen lediglich 10 Mio. € pro Jahr in der kommerziellen Seen- und
Flussfischerei. Mehrere Millionen Personen angeln alleine in
Deutschland zum Vergnügen mindestens einmal im Jahr im In- oder
Ausland, fast 1.5 Millionen Fischereischeininhaber sind offiziell
registriert.
Mehr dazu
siehe unter: ARLINGHAUS, R. 2004. Angelfischerei in Deutschland: eine
soziale und ökonomische Analyse. Berichte des IGB 18:1-160. Hier zum kostenlosen Download.
Fischbesatz blickt auf eine lange Tradition zurück und erfordert von den Bewirtschaftern in Angelvereinen und -verbänden viel Einsatz und Kosten. Die Meinungen dazu sind derweil ambivalent: Einerseits sind viele Gewässer von teilweise unwiderruflichen menschlichen Lebensraumveränderungen betroffen, so dass in vielen Fällen das Einbringen von Fischen durch Fischbesatz zur Bestandstützung als nachhaltige Bewirtschaftungspraxis angesehen werden muss. Andererseits werden mit vielen Besatzmaßnahmen Gene in natürliche Bestände eingetragen, die je nach Herkunft, Qualität und Auswahl des Besatzmaterials das natürliche Anpassungspotential der Wildpopulation durch Kreuzungen von Satz- und Wildfischen nachteilig beeinflussen können. Hinzu kommt, dass jede Besatzmaßnahme das Gefahrenpotential in sich birgt, neue Krankheitserreger oder Parasiten einzuführen. Dies kann eine Reihe ökologischer Auswirkungen nach sich ziehen und hat unter Umständen auch wirtschaftliche Konsequenzen für Fischbesatz tätigende Angelvereine. Folgerichtig hat das Verbaucherschutz-Ministerium in einem Strategiepapier aus dem Jahr 2007 zum Erhalt der Agrobiodiversität der Erforschung und Optimierung des Fischbesatzes eine hohe Bedeutung eingeräumt. (Strategiepapier zum Download unter www.bmelv.de) Der Mangel an objektiven ökologischen und ökonomischen Erfolgsmessungen sowie lückenhafte oder emotional überladene Vorstellungen über die „Risiken und Nebenwirkungen“ von Fischbesatz innerhalb verschiedener Interessengruppen kann gesellschaftliche Konfliktsituationen schüren. Ausdruck dessen sind die gut dokumentierten Kontroversen zwischen Umweltverbänden und fischereilichen Interessensgruppen. Beide Akteursgruppen haben zum Beispiel völlig gegensätzliche Gutachten zu den Auswirkungen und zum Nutzen von Fischbesatz in Binnengewässern vorgelegt. Darüber hinaus weisen Fischereiwissenschaftler und lokale Angelvereine häufig nur wenige Berührungspunkte auf, so dass wissenschaftliches und außerwissenschaftliches Wissen rund um die Bewirtschaftung von Angelgewässer in der Regel nicht zusammengebracht wird. Eine objektive Bewertung des Fischbesatzes ist aus vielerlei Hinsicht notwendig. Erstens zur Minimierung ökologischer Risiken für Gewässer, zweitens zur Erhöhung der Nutzen-Kosten-Verhältnisse für Fischbesatz tätigende Angelvereine, drittens zur Versachlichung häufig emotional überladener Konflikte zwischen unterschiedlichen Interessengruppen und schließlich zur Förderung von Fischbeständen und zur Erhöhung der Akzeptanz der ökologischen Bedeutung von Angelvereinen für die Gesellschaft. In diesem Zusammenhang kann ein unabhängiges, kooperatives Forschungsprojekt zum Fischbesatz zwischen Praxis und Wissenschaft unter Berücksichtigung lokaler ökologischer, ökonomischer und sozialer Spezifika und Bedingungen einen wichtigen Katalysator darstellen. Zusammenfassung Ausgangslage und Forschungsbedarf
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